Der Buddha im Gemüsebeet

Die Hochbeete sind aufgestellt und mit Erde befüllt.

Natürlich nicht nur, eine Drainageschicht, Gründüngung, ein Hauch von Torf – sonst wird das nichts. Die Tomatenpflanzen stehen in Reih und Glied, die Zucchini der Sonne nach ausgerichtet. Die Karotten genau dort, wo sie sich entfalten können. Die Kräuter könnten etwas üppiger sein, darauf muss ich bei der nächsten Aussaat dringend achten. Die Gurkenblüte ist genial, eine schöner als die andere.

Ich steh vor dem Beet, die frühe Erdbeere wäre jetzt eigentlich reif. Aber ich weiß nicht recht. Links oben neben dem Stiel, könnte sie durchaus noch etwas roter werden. Am nächsten Morgen ist die Beere von einer Schnecke bis auf das letzte Blatt abgenagt. Neben den Beeren wachsen die Gurken heran, gelb und strahlend, eine ganz besondere Sorte, keine Allerwelts-Gurken eben. Unter dem größten Blatt hängt eine Frucht. Wunderschön, perfekt, mit herrlichem Aroma. Aber die könnt noch zwei, drei Sonnenstunden vertragen, dann lass ich sie mir schmecken.

Der Himmel verdunkelt sich, ein Gewitter zieht auf. Große, schwere Tropfen fallen herab. Das Blatt kann die vollreife Frucht nicht schützen. Von der Gurke bleibt nichts übrig. Fassungslos stehe ich vor dem Beet. Das darf doch nicht wahr sein. Vom Saatzeitpunkt bis hin zu jedem Wassertropfen aus dem Bewässerungsschlauch ist hier alles perfekt getaktet. Selbst die Sonne ist nach den Beeten ausgerichtet.

Naja, das ist wohl eher umgekehrt, aber dennoch.

Ich poltere einmal rund ums Beet. Springe vor Zorn auf und ab. Das darf doch echt nicht wahr sein. Da hör ich etwas in meinem Kopf, das hellauf zu lachen beginnt.

"Was bitte genau gibt es hier jetzt zu lachen?"

"Das ist ganz einfach. Du erkennst Perfektion nicht einmal, wenn sie dir täglich aus dem Spiegel entgegenblickt. Den Verlust einer Beere und einer Gurke finde ich durchaus angemessen um dich wieder einmal daran zu erinnern."

© by Manuela Theile